Letztes Wort haben die Mitglieder
Volksstimme vom Mi, 02.11.2016 - Author:
Der 1. FC Magdeburg will an einem Info-Abend am 22. November ein neues Profimodell vorstellen. Magdeburg l Nachdem sich eine achtköpfige Arbeitsgruppe ein Jahr lang intensiv mit der Thematik beschäftigt hat, soll nun der „Startschuss“ für ein neues Profimodell hinsichtlich Verein und SSG (Stadion- und Sportmarketing GmbH) erfolgen. Konkret geht es darum, Einnahmen und Ausgaben zusammenzuführen. Präsidiumsmitglied Dirk Weber und Aufsichtsratsmitglied Rolf Oesterhoff standen in einem Volksstimme-Interview Rede und Antwort. Die Kernaussage der beiden lautet: „Die Mitglieder haben beim FCM auch künftig das letzte Wort.“ Bei anderen Vereinen ist fast immer von einer sogenannten Ausgliederung der Profiabteilung die Rede, was häufig zu Verunsicherung führt. Beim FCM wird ein anderes Modell angestrebt, oder? Dirk Weber: So ähnlich kann man es ausdrücken. Wir haben eine besondere Situation, weil es die SSG, entstanden durch den Stadionneubau, ja schon gibt. Es geht darum, Einnahmen und Ausgaben in geordnete Bahnen zu lenken und die wirtschaftliche Situation für den Verein und die SSG planbarer zu machen. Rolf Oesterhoff: Die SSG ist eine hundertprozentige Tochter des Vereins, des FCM. Wie stellt sich die Situation augenblicklich dar? Weber: Bislang ist es so, dass die Einnahmen von Ticketing, Werbung oder Vermarktung der SSG zufließen und die Ausgaben des Spielbetriebs der ersten Mannschaft in Händen des Clubs liegen. Das soll sich ändern. Wir wollen den FCM so aufstellen, dass die wirtschaftlichen Aufgaben im Profibereich durch die SSG wahrgenommen werden und der eingetragene Verein sich auf seine ureigensten Aufgaben konzentrieren kann. Derzeit ist häufig von der Gefährdung der Gemeinnützigkeit zu lesen. Ist das auch ein Grund für die Überlegungen? Weber: Das spielt sicher eine Rolle. Ein gemeinnütziger Verein hat nicht in erster Linie die Aufgabe, Profifußball zu organisieren. In der 3. Liga bewegen wir erheblich mehr Geld als in der Vergangenheit. Ich denke, diese Problematik ist inzwischen bei allen bekannt, und darauf müssen wir reagieren. Wie sieht das neue Modell denn konkret aus? Oesterhoff: Die Details möchten wir nicht schon jetzt in der Öffentlichkeit, sondern wirklich erst am 22. November unseren Mitgliedern präsentieren und gemeinsam diskutieren. Sie beschäftigen sich mit der Problematik ja schon geraume Zeit. Warum dauert es so lange? Weber: Weil es viele Dinge abzuwägen galt, auch Expertisen angefertigt wurden. Ein wichtiges Thema war z.B. die Frage, ob nicht Einnahmen und Ausgaben auch beim e.V. zusammengeführt werden können und welche Risiken daraus entstehen. Außerdem darf man nie vergessen, dass wir alle auf ehrenamtlicher Basis arbeiten. Aber nun sind die Hausaufgaben gemacht, der Startschuss kann sozusagen erfolgen. Im Umfeld des FCM stehen einige dem Modell weiterhin skeptisch gegenüber. Was glauben Sie, warum ist das so? Weber: Ich habe oft den Satz „der Verstand sagt ja, aber der Bauch sagt nein“ vernommmen. Das hat sicherlich mit den allgemeinen Entwicklungen im Profifußball und den damit verbundenen Ängsten der Fans zu tun. Hier müssen wir in erster Linie Überzeugungsarbeit leisten. Oesterhoff: Hinzu kommt, und so ehrlich sollte man sein, dass die Kommunikation im Rahmen der Infoveranstaltung im letzten Jahr nicht wirklich geglückt ist. Auch für uns war nach dem Aufstieg vieles neu. Auch wenn Sie sich mit Details noch bedeckt halten – was ist denn der entscheidende Unterschied zu anderen Vereinen? Oesterhoff: Wir wahren den Einfluss und das Mitspracherecht der Mitglieder. Sie sind und sie bleiben das höchste Organ im Verein. Wir stellen sicher, dass über ihre Köpfe hinweg auch künftig keine Entscheidungen getroffen werden können. Sowohl im eingetragenen Verein als auch in der SSG. Können Sie da ein Beispiel nennen? Oesterhoff: Beim 1. FC Magdeburg e.V. wird der Aufsichtsrat von den Mitgliedern gewählt. Einen Aufsichtsrat wird es künftig auch für die SSG geben.Dabei herrscht Personenidentität. Das heißt, dass die Mitglieder bestimmen, wer den eingetragenen Verein und die SSG überwacht. Ein anderes Beispiel betrifft mögliche Investoren, die sich eventuell an der GmbH beteiligen möchten. Auch hier gilt: Gegen den mehrheitlichen Willen der Mitglieder passiert nichts. Das heißt, der Verein bleibt immer zu 100 Prozent beteiligt. Ich möchte aber auch ausdrücklich erwähnen, dass derzeit kein Investor auf der Matte steht. Ist Ihnen ein ähnliches Modell in Deutschland bekannt? Weber und Oesterhoff: In dieser Ausprägung sicherlich nicht. Das ist halt der FCM. Wie sieht der Zeitplan aus? Weber: Als Erstes muss man bedenken, dass das Zeitfenster begrenzt ist, denn die Umsetzung eines solchen Modells ist nicht während des laufenden Spielbetriebs möglich. Wir wollen wie erwähnt die Info-Veranstaltung am 22. November, voraussichtlich in der neuen VIP-Lounge der MDCC-Arena, durchführen, im Februar die richtungsweisende Mitgliederversammlung einberufen, wo eine Dreiviertel-Mehrheit nötig sein wird, und die Unterlagen dann zusammen mit dem Lizenzantrag 2017/18 bis Ende Februar an den DFB schicken.



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