„Die wollten mich grundlos fertig machen“
Volksstimme vom Do, 02.06.2005 - Author:
Interview mit Uwe Bardick, Ex-Oberliga-Torhüter beim 1. FCM 19 Jahre, nachdem Uwe Bardick im Auftrag der Staatssicherheit krank gespritzt wurde, fragte die Volksstimme den Ex-Torhüter des 1. FCM, wie er heute darüber denkt, welche Gefühle ihn bewegen. Chefreporter Bernd Kaufholz sprach mit dem 43-Jährigen. Volksstimme: Wann haben Sie erfahren, wie übel Ihnen mitgespielt wurde? Uwe Bardick: Anfang der 90er Jahre hat mir ein Bekannter empfohlen, Akteneinsicht zu beantragen. 1992 habe ich dann meine Stasi-Unterlagen bekommen. Volksstimme: Ihre Reaktion? Bardick: Ich war wie vor den Kopf geschlagen. Zuerst wollte ich gar nicht glauben, was da stand. Dass ein Arzt, mein eigener Mannschaftsarzt, der Menschen helfen soll, das Gegenteil tut –mir fehlen heute noch die Worte. Volksstimme: Grund der Stasi-Aktion war der Verdacht, dass Sie sich in den Westen absetzen wollten. Haben Sie mit diesem Gedanken gespielt? Bardick: Großer Quatsch. Weder Reinhard Rother noch ich haben daran gedacht, die DDR zu verlassen. Die wollten mich grundlos fertig machen. Volksstimme: Haben Sie heute noch gesundheitliche Beschwerden, die auf die „Behandlung“ ihres Mannschaftsarztes im Stasi-Auftrag zurückzuführen sind? Bardick: Das Ellenbogengelenk schmerzt hin und wieder immer noch. Besonders, wenn das Wetter umschlägt, habe ich ein unangenehmes Reißen im Arm, so wie bei Rheuma. Volksstimme: In den Unterlagen werden Sie als jemand geschildert, der sportlich keine große Perspektive hatte. Bardick: Das sehe ich anders. 1986, 1987 war ich in einer Superform. Mit 23 Jahren war ich in Ungarn beim Marlboro-Pokal sogar als bester Torhüter ausgezeichnet worden. Wäre die Stasi-Sache nicht gewesen, hätte ich fußballerisch eine prima Perspektive gehabt. Dadurch kam der leistungssportliche Bruch. Volksstimme: Kurze Zeit nach dem Eingriff wurden Sie auf Geheiß des MfS nach Eggesin zur NVA eingezogen. Was kam danach? Bardick: Ich habe noch einige Zeit in Gera in der DDR-Liga als Stammtorhüter gehalten. 1990 bin ich dann nach Essen gegangen. Dort habe ich noch ein paar Jahre in der 4. Liga gespielt. Heute arbeite ich im öffentlichen Dienst der Stadt.



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