„Meine Stammformation habe ich schon weitgehend im Kopf“
Volksstimme vom Mi, 14.07.2010 - Author:
Volksstimme-Interview mit dem neuen FCM-Trainer Ruud Kaiser

Seit zwei Wochen schwingt Ruud Kaiser beim Fußball-Regionalligisten 1. FC Magdeburg, der heute (18 Uhr) beim NOFVOberligisten Brandenburger SC Süd sein nächstes Testspiel bestreitet, das Zepter. Volksstimme-Redakteur Uwe Tiedemann sprach mit dem 49-jährigen Holländer über dessen erste Eindrücke und Ziele.

Volksstimme: Herr Kaiser, haben Sie das 0:1 im WM-Finale gegen Spanien schon verdaut?

Ruud Kaiser: Damit hatte ich kein Problem, weil ich bereits während des Spiels bitter enttäuscht war und wusste, dass wir verlieren. Dieser brutale Fußball entsprach nicht der holländischen Philosophie. Vielleicht waren die Jungs übermotiviert. Bei der Spielweise hätten eigentlich van Bommel, de Jong und Robben vom Platz fliegen müssen.

Volksstimme: Zum FCM: Wie ist der Stand der Vorbereitung?

Kaiser: Ich bin zufrieden, weil die Jungs verstehen, was ich will. Natürlich fehlt noch die Abstimmung, aber es ist eine junge, hungrige, begeisterungsfähige Truppe.

Volksstimme: Die Sie zusammen mit Manager Rüdiger Bartsch nach intensiver Suche – die Rede ist von 20 000 zurückgelegten Kilometern – zusammengestellt haben.

Kaiser: Für einen Holländer sind solche Entfernungen eigentlich Wahnsinn, denn bei uns fährt man maximal 100 km ... Aber es hat sich gelohnt, auch wenn wie in einem Fall ich 600 km hin und 600 km zurückgefahren bin und wir den Spieler am Ende nicht genommen haben. Aber so geht man auf Nummer sicher.

Volksstimme: Haben sich bislang irgendwelche Spieler besonders hervorgetan?

Kaiser: Um das konkret zu beantworten, ist es noch zu früh. Zudem haben wir bislang nur gegen unterklassige Mannschaften gespielt. Generell kann man sagen, dass der überwiegende Teil die Erwartungen erfüllt hat, aber auch zwei, drei Spieler dabei sind, die noch unter ihrem Niveau geblieben sind.

Volksstimme: Um wen handelt es sich dabei?

Kaiser: Ich nenne keine Namen.

Volksstimme: Erfreulich ist sicherlich die Tatsache, dass es bislang keinerlei Verletzungen zu beklagen gibt. Worauf führen Sie das zurück?

Kaiser (klopft dabei unter den Tisch): Hoffentlich bleibt das so. Aber ein Grund ist sicherlich, das wir immer wieder Präventivübungen einstreuen. Speziell mein Assistent Mario Middendorf bemüht sich da sehr.

Volksstimme: Inwieweit beeinträchtigen die mitunter tro pischen Temperaturen die Vorbeitung?

Kaiser: Ich habe fast alles durchführen können, was ich wollte. Bei extremer Hitze weicht man mal in den Wald aus, wo mehr Schatten ist, oder man verlegt die Trainingszeiten.

Volksstimme: Sie haben sich relativ frühzeitig auf Daniel Bauer als Ihren verlängerten Arm und neuen Kapitän festgelegt. Warum?

Kaiser: Weil Rüdiger Bartsch, dem ich zu 100 Prozent vertraue, ihn sehr gut kennt und überzeugt war, dass er mit seinen Führungsqualitäten der Richtige ist. Meine Gespräche mit Daniel haben das dann bestätigt. Er ist ein offener, ehrlicher Typ und kommt auch bei den übrigen Spielern gut an.

Volksstimme: Inwieweit haben Sie denn Ihre Stammformation schon im Kopf?

Kaiser: Die steht eigentlich bis auf wenige Positionen schon. Aber das ist nur eine Momentaufnahme und zeigt sich auch daran, dass zwei, drei Spieler dabei sind, die eigentlich dazugehören sollten, aber momentan nicht die erhoffte Leistung bringen.

Volksstimme: Sie werden also die Einsatzzeiten für die nächsten Testspiele nach und nach verändern, oder?

Kaiser: Es wird so sein, dass nicht mehr alle eine Halbzeit spielen, sondern einige länger, das heißt 60, 70 und später auch 90 Minuten auf dem Platz stehen.

Volksstimme: Welche Rolle kann der FCM 2010/11 spielen? Vielleicht eine Art Geheimtipp?

Kaiser: Das hoffe ich natürlich. Aber wir müssen es erst beweisen.

Volksstimme: Und wer mischt ganz oben mit?

Kaiser: Klarer Favorit ist für mich RB Leipzig. Wenn die bei so hohen Investitionen nicht aufsteigen, haben sie eine Menge falsch gemacht. Auch Chemnitz hat ja ordentlich Geld reingeworfen, und Kiel hat sowieso immer Kohle.



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